Oder: Warum die Debatte “Klimawandel menschengemacht oder nicht” ins Leere läuft.

Globe on a desk

Die Zweifler der Klimaerwärmung stützen sich auf Aussagen von Wissenschaftlern, die die gesammelten Daten anders interpretieren als die (große) Mehrzahl ihrer Kollegen.

Weil nämlich niemand – auch kein Wissenschaftler – eine exakte Vorhersage über ein so komplexes Thema wie das Klima machen KANN. Geht gar nicht.

Es gibt ganz viele Aspekte in der Klimaforschung, die sind uneindeutig und rätselhaft. Und eben komplex.

Soweit ich das überblicke, sind das dann genau die Aspekte, die von Klimakritikern rausgegriffen und seziert werden.

Soweit so gut. Klimadaten können immer nur interpretiert werden, hundertprozentig sagen, was passieren wird, kann keiner.

Aber was ich eben nicht checke, ist, dass wir doch sonst auch keine Hundertprozentigkeit fordern, wenn es um Gefahrenvermeidung geht. Wir entfernen Asbest aus Gebäuden, weil es krebserregend ist. Wir entscheiden uns (nicht jeder einzelne, aber ohne große Widerstände) für Rauchverbote, weil Rauch krank machen kann.

Angebranntes beim Grillen und angeschimmeltes Brot hauen wir weg, weil es das Krebsrisiko erhöht. I could go on.

Es kann uns niemand garantieren, ob wir wirklich krank werden, wenn wir rauchen, angeschimmelte oder angekokelte Sachen essen oder in einem mit Asbest isolierten Raum sitzen. Es könnte auch einfach nichts passieren, und wir bleiben gesund.

Aber das Risiko alleine ist für uns Grund genug, Maßnahmen gegen Asbest und Passivrauchen zu ergreifen. Unseren Kindern zu verbieten angeschimmeltes Brot zu essen und ohne Zähnezuputzen ins Bett zu gehen.

Aber beim Klima brauchen wir auf einmal hundertprozentige Gewissheit, hä? Wieso reicht uns hier das RISIKO nicht aus?

Wer zum Geier würde je wieder in ein Flugzeug steigen, wenn ‘nur‘ eine 10-prozentige Chance bestünde, dass es abstürzt?

Deshalb finde ich, dass diese ganze Debatte, dieser Grabenkrieg – ob nun menschengemachte Erderwärmung ja oder nein – total am eigentlichen Problem vorbeigeht.

Nämlich: Brennende Wälder, schmelzende Pole, steigender Meeresspiegel, eine rasant abnehmende Artenvielfalt (was abgesehen vom Klima noch zu ganz anderen Schwierigkeiten führt), Massenmigration und schwindende nicht erneuerbare Ressourcen. Das ist alles ganz großer Mist. Aber das ist, womit wir es zu tun haben.

Ich bin kein Klimaforscher, nicht mal ein Naturwissenschaftler. Mit den Modellen kann ich nichts anfangen und die Wissenschaft dahinter überfordert mich. Keinen Peil.

Ich kann „glauben“ und ich kann „finden“.

Aber vor allem kann kann ich selber denken. Und ich denke nach über Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen.

Gehe ich zum Beispiel davon aus, dass Menschen mit der Erderwärmung nix zu tun haben, lösen sich davon die Probleme auch nicht in Luft auf. Das würde einfach nur bedeuten, dass wir leider so richtig in der Scheiße sitzen, weil dann können wir’s eh nicht richten. Pech gehabt, schade schade Schokolade.

Würden wir nun trotzdem ganz viel umkrempeln und uns verändern, dann passiert schlimmstenfalls gar nichts bzw. die Erde würde sich einfach fröhlich weiter erwärmen. Die Welt würde wahrscheinlich nicht weniger bewohnbar durch die Maßnahmen, die Klimaschützer jetzt fordern. Auch wenn die Produktivität leiden und das Wachstum nicht mehr weitergehen würde (was es nebenbei bemerkt, eh kaum noch tut). Aber dann hätte man es immerhin versucht. Man müsste sich halt einschränken, das stimmt. Autsch.

Ist die Erderwärmung aber tatsächlich auf unserem Mist gewachsen, dann gibt uns das jetzt immerhin noch eine kleine Chance. Anders gesagt: Stellt sich in 30 Jahren raus, dass die Klimaschützer und die Alarmisten die ganze Zeit Recht gehabt haben, und wir tun jetzt nichts, dann müssen wir in 30 Jahren unseren Kindern und Enkeln erklären, warum wir das Ruder nicht rumgerissen haben, solange es noch ging.

Ich will dann nicht zu denen gehören, die sagen müssen: „Die Mehrheit der Wissenschaftler war sich einig, aber ich habe es nicht geglaubt, sorry Leute!“

Also mal weg von hochgekochten Emotionen, Verschwörungstheorien, Fingergezeige und erbitterten Diskussionen über ein Thema, von dem die allerwenigsten wirklich was verstehen. Lass lieber über Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen nachdenken.

Findet

Rike Pätzold

Uncertainty Expert | Future Thinker | Blue Water Sailoress Hallo I’m Rike. When I’m not thinking about uncertainty and randomness, I sail the oceans.

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